Das Gedenken und die Verantwortung

67 Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft gibt es immer noch Streit ums Gedenken.
Von Konservativen bis Nazis wird sich immer noch in der eigenen Geschichtsdeutung versucht.

Umdeutung, Aufwiegen, Verharmlosen, Relativieren oder Leugnen sind da Versuche, dem Geschehenen etwas abzugewinnen, was ins Weltbild passt.

So wird auch am 6.12. wieder kollektiv und öffentlich der deutschen Opfer gedacht, die durch die Bombardierung Gießens ihr Leben verloren haben.

Was wir daran verwerflich finden?
Zu Anlässen, an denen der deutsche Faschismus oder neonazistische Vorfälle thematisiert werden, heißt es, dass Deutschland eine historische Verantwortung hätte, wie zuletzt nach der NSU-Mordserie. Aber wie soll diese aussehen und wieso ist dies nicht mehr als ein Lippenbekenntnis?

Geht es um rechte Erlebniswelten, Naziaufmärsche oder Parteiveranstaltungen der NPD können Antifaschist*innen spüren, wie ernst dies gemeint ist, wenn sie mit Reizgas und Schlagstöcken konfrontiert werden und diese nicht selten zu spüren bekommen.

Auch die hinterbliebenen Familien der Opfer des NSU können sich gerade medial davon überzeugen, wie diese Verantwortung umgesetzt wird, wenn deutsche Politiker*innen wieder von Asylmissbrauch reden; dem Begriff, der mit den Pogromen Anfang der 90er Jahre assoziiert wird.

Nicht viel anders wird mit der Gedenkkultur umgegangen. Vor 2 Jahren kritisierten wir bereits die ungleiche Gewichtung des Gedenkens an die Opfer der Nazis einerseits und die vermeintlichen deutschen Opfer anderseits. Weiterhin wiesen wir auf die immer noch nicht vollzogene Umbenennung des Otto-Eger-Heims hin und zeigten Orte auf, an denen ein Erinnern völlig ausbleibt.

Was hat sich seit dem geändert? Kaum was…
Bei dem Bodenornament am Kreuzplatz wurde eine Tafel aufgestellt, auf der dem deutschen Boden die Schuld am Krieg in die Schuhe geschoben werden soll. Als weiteres oft gewähltes Element wird „der Krieg, der auf Deutschland zurückschlug“ eingebaut. Das ist vom historischen Wahrheitsgehalt richtig, verschweigt jedoch den Bezug zum Nationalsozialismus; von Auschwitz wird nicht geredet.

Eine Tafel am Relief an der Bergkaserne hingegen hätte eine kritische Betrachtung dieses gießener Schandflecks ebenfalls möglich gemacht. Allerdings hätte es hierfür ein wenig mehr Aufrichtigkeit als am Kreuzplatz gebraucht. Dies wäre einer Verantwortung gerecht geworden, vor allem, da es in absehbarer Zeit keine überlebenden Opfer der Nazis mehr geben wird und diese nicht mehr von dem Geschehenen berichten können.

Auch an anderen Orten fehlt nach wie vor jegliche Auseinandersetzung mit der historischen Bedeutung. So erinnert nichts an die sogenannten Judenhäuser beispielsweise in der Waltorstrasse. Auch die Tatsache, dass sich während März ’44 und März ’45 in Gießen ein Konzentrationslager befand, ist den meisten Menschen unbekannt.

Demnach wird es unserer Meinung nach Zeit, dass die Stadtgeschichte dieser Zeit ernsthaft aufgearbeitet wird und endlich ein zentraler Ort geschaffen wird, an dem das Gedenken in angemessener Form umgesetzt wird. Und es ist unumgänglich, dass klar wird, dass ein kollektives Trauern um sogenannte deutsche Opfer zur Relativierung dessen, was geschehen ist, beiträgt.
Schließlich gibt es hierfür eine historische Verantwortung.

Antifa R4 im Dezember 2012

Bezugnahme auf den ersten Text von 2010

das KZ in Gießen, ein Aussenkommando des KZ Buchenwald

Mahngang zum Gedenken an die Reichspogromnacht

Gedenkveranstaltung des Gießener “Bündnis Gegen Rechts”: 9. November, 18 Uhr – Berliner Platz

Am 10. November 1938 ereigneten sich in Gießen die gewalttätigsten, öffentlichen antisemitischen Übergriffe, die es bis dahin im 20. Jahrhundert hier gegeben hatte. Vergleichbares geschah in vielen anderen deutschen Städten bereits am Tag zuvor. Unter teils befürwortenden Rufen, teils stummem Dulden und keiner verteidigenden Gegenaktion der Öffentlichkeit wurden beide Gießener Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte demoliert und geplündert sowie hier lebende jüdische Bürger_innen von SA-Angehörigen, Nazi-Kadern und anderen ganz normalen Gießener_innen beschimpft, angegriffen und misshandelt. Alles unter den Augen von Feuerwehr, Polizei und städtischen Behörden, die aktive Beihilfe leisteten, um dem antisemitischen Staatsterror auch in Gießen endgültig zum Sieg zu verhelfen. Davon auszugehen, dass diese Vorgänge erst mit der Machtübertragung an die Nazis 1933 ihren Anfang nahmen, ist falsch, im Raum Gießen hat der politisch-rassistische Antisemitismus eine weit ältere Geschichte.

Antisemitismus – Nicht erst eine Erfindung der Nazis

„Nirgends in Deutschland erwies sich die breite Masse der Bevölkerung für die antisemitischen Ideen so empfänglich als gerade in Hessen, besonders Oberhessen“, schrieb der deutsche Herausgeber der „Protokolle der Weisen von Zion“ und Gründer des „Reichshammerbunds“ Theodor Fritsch schon 1893 in Bezug auf die breite Bewegung unterschiedlicher sozialer Schichten hinter antisemitischen Hetzern wie Adolf Stöcker oder Otto Böckel. In Gießen und Umland zählten sie tausende Anhänger_innen hinter sich und fanden mit ihren Parteien auch bei Wahlen so großen Zuspruch, dass manche Wahlkreise mit großer Mehrheit Kandidaten mit dezidiert antisemitischem Programm zu Reichstagsabgeordneten wählten. „Juden-freie Viehmärkte“ wurden organisiert, um dem „jüdischen Wucher“ entgegenzuwirken, ein Modell, das besonders ab 1934 in ganz Deutschland wieder sehr beliebt wurde. Der Antisemitismus als politisches Programm lebte auch im Gießen der Weimarer Republik fort, besonders bürgerliche Schichten und die zahlreichen Studierenden bestimmten hier den Ton. Neben organisierten studentischen Freikorps, engagierten sich schon lange vor 1933 in Gießen auch Lehrerende, Kriegsveteranen und viele andere für die Sache des Nationalsozialismus im Allgemeinen und den Antisemitismus im Besonderen. 1921 errang der völkische, großdeutsche und anti-semitische „Hochschulring deutscher Art“ eine über-ragende Mehrheit bei den AStA-Wahlen an der Uni-versität. Schon 1931 sprach sich der AStA für einen Numerus Clausus für jüdische Studierende aus und arbeitete eng mit nationalsozialistischen Professoren zusammen, mit dem Ziel einer braunen Vorzeige-Universität. So wundert es nicht, wenn in den letzten halbwegs freien Wahlen am 5. März 1933 die NSDAP in Gießen das Traumergebnis von 51,9% errang, das gegenüber dem Reichsdurchschnitt von 43,9% so manches Nazi-Herz höher schlagen ließ.

Der 10. November in Gießen

An diesem Tag sowie an den folgenden wurden jüdische Geschäfte von uniformierten sowie zivil gekleideten Nazis demoliert und geplündert. In manchen Fällen kam es wohl auch zu Empörungen seitens unbeteiligter Zeug_innen: Meist war der Grund der Empörung aber weniger die Gewalt gegen die jüdischen Bürger_innen, als viel mehr die Tatsache, dass die Männer so gute Möbelstücke, Stoffe, Lebensmittel oder Kleider einfach auf die Straße schmissen und zerstörten. In allen Gemeinden rund um Gießen spielten sich gleiche oder ähnliche Szenen ab, mit teilweise sogar noch gewalttätigeren Übergriffen. In ganz Deutschland kam es zu Ausschreitungen, Plünderungen und Misshandlungen, deren Folge der Tod von 91 Menschen, die Zerstörung von mehr als 7500 Geschäften sowie beinahe aller Synagogen war. Das Ziel war erreicht: Die sowieso schon schlechte Lebenslage jüdischer Menschen in Deutschland wurde empfindlich verschärft, die öffentliche Gewalt gegen sie von staatlicher Seite legitimiert.

Die weitere Verfolgung der jüdischen Bürger_innen Gießens

Von den 1932 noch 1266 jüdischen Bürger_innen Gießens lebten unmittelbar vor den Pogromen nur noch ca. 360 in der Stadt, die übrigen hatte die staatsantisemitische Schikane (Berufsverbote, Zwangsabgaben, Sondersteuern, etc.) entweder gezwungen, zu emigrieren oder sie wanderten freiwillig aus. In den Tagen nach den Novemberpogromen wies der Gießener Stadtrat die Polizei an, mit der SA alle männlichen Juden zu verhaften. Der gleichgeschaltete Gießener Anzeiger vom 11. November berichtete darüber im Nazi-Jargon: „Eine An-zahl Juden begab sich schon im Laufe des Vormittags freiwillig in polizeiliche Schutzhaft, andere warteten ab, bis sie zu ihrer eigenen Sicherheit von der Polizei zur Schutzhaft abgeholt wurden. Die Polizei sicherte dadurch die Juden vor der starken und berechtigten Empörung“. In Wahrheit wurden diese Menschen in die KZ Buchenwald oder Dachau verschleppt, aus denen sie zum Teil erst entlassen wurden, als sie sich zur Auswanderung bereit erklärten. In manchen mittelhessischen Städten wie Friedberg wurde der Abtransport im LKW von einer jubelnden Menge beklatscht. Viele kehrten schwer krank und entkräftet zurück, manche verloren in den Konzentrationslagern ihr Leben.

Von den im Jahr 1936 noch 130 jüdischen Geschäften in Gießen blieb bis 1939 kein einziges übrig: Die Vertreibung der jüdischen Bürger_innen aus dem Geschäftsleben bescherte manch findigen Gießenern günstige, weil enteignete oder zwangsversteigerte, Grundstücke und Immobilien. Die wenigen jüdischen Einwohner_innen Gießens, die nach 1939 noch in der Stadt lebten, wurden in der Folgezeit vom Stadtbauamt und anderen städtischen Behörden gezwungen, ihre Wohnungen und Geschäfte aufzugeben und so genannte „Ghettohäuser“ in der Walltorstraße 42 und 48 sowie der Landgrafenstraße 8 zu beziehen. Auf dem Gießener Wochenmarkt arbeiteten schon 1938 Stadt und Händler Hand in Hand, um jüdischen Bürger_innen den Einkauf dort zu verbieten. 1941 verboten die Stadtwerke Gießen die Beförderung von jüdischen Bürger_innen in den städtischen Nahverkehrsmitteln, willkürlich wurden für Straßenarbeiten in der Stadt und im Kreis jüdische Menschen zum Arbeitsdienst abkommandiert. Immer wieder kam es zu unvorhersehbaren und willkürlichen „Verhaftungen“ und zu Internierungen in Konzentrationslagern.

Am 5. September 1942 gab die Gießener Gestapo (Neue Bäue 23, heutiger Burghof) der Stadtverwaltung den Befehl, in der Goetheschule in der Westanlage eine Massenunterkunft bereitzustellen. Hierher wurden in der Zeit vom 12.09. bis zum 16.09. alle 330 in Gießen und Umgebung verbliebenen jüdischen Bürger_innen (meist hohen Alters) transportiert. Sie wurden gezwungen, Erklärungen zu unterschreiben, die ihren Besitz in die Hand des Staates übergab. Schon kurz nach der Verhaftung plünderten und verwüsteten Beamte der örtlichen Gestapo die leerstehenden Wohnungen. Am 2. März 1943 erstattete der damalige Gießener Oberbürgermeister stolz den Bericht: „Gießen ist judenfrei.“

Noch im Februar 1945 verschleppte man die letzten in sogenannten „privilegierten Mischehen“ lebenden Eheleute. Es ist nicht genau rekonstruierbar, wie viele jüdische Gießener Bürger_innen die Konzentrationslager überlebten.

Der 9. November 1938
Das Novemberpogrom von 1938 war in Gießen wie in allen anderen deutschen Städten eine geplante Aktion. Bei den Verwüstungen, Bränden und Angriffen übernahmen durchgängig zivil gekleidete SA-Leute führende Rollen, Nazis, die später noch an der Uni, bei der Stadt oder dem Land anerkannte Karrieren durchlaufen haben. Am 10. November führte man Schulkinder zu den brennenden Synagogen, um ihnen zu zeigen, welch „berechtigter Zorn“ (siehe Kasten) sich nun gegen „die Juden“ entlud. Die Hetztiraden der Lehrerenden, die Gängelungen jüdischer Mitschüler_innen und die alltäglich erlebte Diskriminierung jüdischer Menschen fanden ihren Ausdruck in dieser, von niemandem aufgehaltenen Aktion. Aus Berichten geht klar hervor, dass die Feuerwehr, die bei den beiden Synagogenbränden in der heutigen Südanlage sowie der Steinstraße anwesend war, einzig den Auftrag hatte, das Feuer am Übergreifen auf die anderen Häuser zu hindern. Familien, Gemeindemitglieder und Hausmeister wurden von Polizei oder SA-Schergen aus den Wohnungen geprügelt, teils wertvolle religiöse Gegenstände geplündert oder vor den Augen der Gemeinde verbrannt.

Demokratische Linke Gießen
Antifa R4

Zum Verfall eines Nazi-Reliefs an der Bergkaserne in Gießen

In einem Artikel im „Gießener Anzeiger“ wurde sich am 21.09.12 dem vom Verfall bedrohten Relief an der Außenmauer der Bergkaserne in Gießen gewidmet. In dem Artikel werden alle relevanten Fakten erwähnt: „Es handelt sich um das Relief aus der Nazi-Zeit, das in die Mauer eingelassen ist. Es steht unter Denkmalschutz, wurde vor dem Krieg erstellt. Thema: „Blut und Boden“. Es droht zu zerfallen.“ [1] Nun stellt sich eine Frage geradezu zwingend: Na und?

Auch die Frage, warum Nazi-Propaganda mit immensem Aufwand restauriert wird, und nicht stattdessen eine inhaltliche Ergänzung ausgearbeitet und umgesetzt wird, um zunächst über den Gesamtkontext aufzuklären, drängt sich auf.

Das Relief wurde, auch das ist dem ausführlichen Bericht zu entnehmen, einem Erlass des „Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda“, sprich Goebbels, folgend, an der Kasernenmauer installiert. Dieser Erlass regelte den „Prozentsatz der Bausumme für Kunst am Bau“.[2] Die „Kunst am Bau“ diente also Propagandazwecken des faschistischen Deutschland in den 1930er und 1940er Jahren. Dass ausgerechnet ein solches Relief unter Denkmalschutz gestellt wird, ohne zugleich sicherzustellen, dass Betrachtende über den historischen Kontext dieses Machwerks aufgeklärt werden, spricht deutlich für sich.

Schon vor zwei Jahren thematisierte die Antifa R4 das Relief in einem Text, der sich mit der Erinnerungspolitik der Stadt Gießen bezüglich des Deutschen Faschismus und des Zweiten Weltkriegs auseinandersetzte: „Das martialische Relief an der Außenwand wurde im Februar 1938 eingeweiht und ist ein Beispiel für die ideologisierte und instrumentalisierte Kunstauffassung jener Zeit. Abgebildet sind, nach Manier der „Blut-und-Boden-Romantik“ arbeitende Familien, welche von drei Soldaten, in heroischer Nacktheit dargestellt, bewacht werden. Der Erhalt dieses Reliefs scheint von größerer Bedeutung, als sich um das Füllen einiger Erinnerungslücken zu kümmern.“[3] Dem ist leider bis heute nichts hinzuzufügen.

Plenum Gießener Antifaschist*innen, 24. September 2012

[1] Gießener Anzeiger (21.09.2012): Relief-Sicherung kommt nicht voran, S.13.

[2] Vgl. ebd.

[3] Antifa R4 (2010): Deutsche Erinnerungspolitik am Beispiel Giessens, http://erinnerungspolitik.blogsport.de/deutsche-erinnerungspolitik-am-beispiel-giessens/ (21.09.2012).

8. Mai 2012 – 67. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands

Am 8. Mai 2012 beteiligten sich circa 30-40 Menschen an einem antifaschistischen Spaziergang, anlässlich des 67. Jahrestages der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, in der Gießener Innenstadt. Während dieses Spaziergangs wurde sich an vier Stationen (Kreuzplatz, Kirchplatz, Walltorstraße, Brandplatz) kritisch mit der Gießener Erinnerungspolitik auseinandergesetzt. Begonnen wurde am Kreuzplatz, wo auch die umfassendste Kritik am dortigen Denkmal zur Erinnerung an die Bombenangriffe 1944/1945 und der nachträglich installierten Ergänzungstafel geäußert wurde:
Mittels der in den Boden eingelassenen Umrisse der Häuser wie sie an dieser Stelle vor dem Zweiten Weltkrieg standen, soll am Kreuzplatz an den Bombenangriff der Alliierten am 6. Dezember 1944 erinnert werden, bei dem Gießen zu großen Teilen zerstört wurde. Kein Wort wurde über die Gründe verloren, weshalb Gießen angegriffen wurde, kein Wort zur Vorgeschichte, zum Zweiten Weltkrieg, den die Deutschen begannen und vor Allem kein Wort zur Vernichtung von 6 Millionen Jüdinnen* und Juden* und Millionen anderer Opfer. Erst aus diesem singulären Kontext aber erschließt sich sowohl die Bombardierung ganz allgemein, als auch die spezielle Intensität derselben.
Nach massiver Kritik von Antifaschist*innen¹ an der Kontextlosigkeit dieses Denkmals wurde seitens der Stadt reagiert und eine ergänzende Tafel aufgestellt. Auf dieser Tafel wird nun der Kontext der Bombenangriffe erläutert: “Vom deutschen Boden”, heißt es hier, sei der Zweite Weltkrieg ausgegangen. Diese Formulierung zeigt in aller Deutlichkeit, wie schwer sich die Verantwortlichen in der Stadt, ganz egal welcher parteipolitischen Couleur, noch immer mit deutscher Kriegsschuld tun.
Hier wird in einem ganz klassischen Schema gehandelt: Die Benennung von TäterInnen² wird ganz plump umgangen und durch Konstrukte ersetzt. Es geht um die Entsubjektivierung der Kriegsschuld.
Die Botschaft des Denkmals wie es hier eingerichtet wurde ist indes klar: Die deutsche Zivilbevölkerung ist nicht schuldig, nein, vielmehr ist sie Opfer des Zweiten Weltkrieges. Deutsche Städte wie Dresden, Nürnberg oder eben Gießen wurden durch Bombenangriffe zerstört und die (angeblich unschuldige) Zivilbevölkerung musste leiden. Ohne die breite Unterstützung der deutschen Zivilbevölkerung wäre es jedoch nicht möglich gewesen Angriffskriege gegen Polen, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Jugoslawien, die Sowjet-Union, England und andere Staaten zu führen; ohne Denunziationen, die Mithilfe oder das Schweigen der Bevölkerung wären auch die Deportationen von Jüdinnen* und Juden* und anderer Opfer deutscher Rassenideologie nicht möglich gewesen.
Zu glauben, dass diese einzelne Formulierung (der Zweite Weltkrieg sei von deutschem Boden ausgegangen) ausreicht den Kontext der Bombardierung darzustellen, zeigt ein völlig verkürztes Verständnis davon, warum der Zweite Weltkrieg in einem solchen Ausmaß geführt wurde und wer dafür die Verantwortung zu tragen hat.

1) Wir verwenden in unseren Texten Gender-Gaps um alle Menschen einer Gruppe zu berücksichtigen, auch solche, die sich nicht in die binäre Geschlechterordnung, also in die Kategorie “Mann” oder “Frau”, fassen lassen wollen oder können.

2) In der beschworenen “Volksgemeinschaft” galt ausschließlich die binäre Geschlechterordnung. Von dieser Norm abweichende Individuen wurden aus der Gemeinschaft ausgegrenzt und verfolgt und zählen somit nicht zur Gruppe der Täterinnen und Täter, die wir im Folgenden mit Binnen-I gendern.

Infoladen-Arbeitskreis-Erinnerungspolitik und Antifa R4 im Mai 2012

Redebeitrag Kreuzplatz

Redebeitrag Kirchplatz

Redebeitrag Brandplatz

8. Mai 2012 – 67 Jahre nach der Befreiung

8.Mai 1945 – Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus
Für uns gilt es am 8.Mai an die Opfer der schrecklichen Taten der Deutschen Nationalisten zu erinnern.
Gleichzeitig wollen wir das Kriegsende und das damit das verbundene Ende des deutschen Faschismus in Europa feiern.

Veranstaltungen am 8.Mai in Gießen:
16:00 – Gedenkspaziergang durch die Gießener Innenstadt | Treffpunkt: Kaplansgasse ecke Seltersweg (TK Maxx, Deichmann)
19:30 – Margarete Bieber Saal (Ludwigstraße) – Neonazis im Dienste des Staates Veranstaltung mit Dr. Rolf Gössner
20:00 – Befreiungs-VoKü im Infoladen, „Wer nicht feiert, hat verloren“